Die Ausstellung “Ready to Go! Schuhe bewegen”

Eine opulente wie unterhaltsame Ausstellung über Arbeitsstiefel, High Heels und abgedrehte Kreationen ist noch bis Juni im Münchner Stadtmuseum zu sehen.

"Klack-klack-klack muss ein Schuh machen, dann ist das unglaublich sexy", sagt Manolo Blahnik. Ab einer gewissen Höhe, möchte man ergänzen. Denn was der Lieblingsdesigner von Bianca Jagger bis Kate Moss seinen Kundinnen unter die Füße schiebt, will beherrscht werden. Nur dann macht das Klacken auch was her – und Mister Big beißt an. Wie in "Sex and the City", der US-Fernsehserie, die Blahniks High Heels vor fast zwanzig Jahren endgültig den Kultstatus beschert hat.

Manolos dürfen jedenfalls in keiner Schuhausstellung fehlen, und natürlich steht das Modell "Hangisi", in dem sich Großstadtsirene Carrie Bradshaw vermählt hat, jetzt auch im Münchner Stadtmuseum: aus blauem Satin mit Glitzerbrosche und einer Absatzhöhe von 105 Millimetern. Das ist beachtlich. Neben den zuweilen monströsen Künstlerkreationen der Schau kommt der elegante Klassiker dann aber fast brav daher.

Abgedrehte Unikate

Ob das nun Kobi Levis "Blond Ambition"-Shoes mit Haarzopf sind, die Madonna 1990 auf ihrer World-Tour zur legendären Kegel-BH-Corsage von Jean-Paul Gaultier getragen hat, oder die spacige Kreation "Cube" von Peter Popps, bei der sich "Sohle" und Absatz wie die Enden eines Geweihs aufeinander zu bewegen. Auf solchen Dingern hat selbst Lady Gaga keinen einzigen Schritt getan und blieb fürs Video zum Album "Artpop" dann auch lieber mal auf dem sicheren Sofa sitzen.

Diese sehr abgedrehten Unikate mit Oktopusarmen, Scherben, Dildos oder Messerklingen sind vor allem Hingucker und keineswegs geschaffen, um "Ready to go" zu sein, wie es im Ausstellungstitel heißt. Das trifft allerdings auch für manche Samt- und Seiden-"Chaussure" der barocken Obrigkeit zu. Man tänzelte ein paar Schritte durch den Salon oder ließ sich in der Kutsche fahren, also durften die wie geschnürte Hüften geschwungenen "Louis quinze"-Absätze gerne etwas höher sein. Bei Frauen wie Männern. Schließlich ging es darum, die gesellschaftliche Position zu demonstrieren und sich vom Volk nach oben abzusetzen.

Erotisches Tippeln

Die adligen Herren taten das seit der Regentschaft des Sonnenkönigs Ludwig XIV. übrigens mit roten Absätzen und einigem Zierrat am Rist, das war ihr Privileg. Dass über hundert Jahre später, während der Französischen Revolution, der Kampfruf "Nieder mit den Schuhschnallen!" durch die Pariser Gassen gebrüllt wurde, ist wenig überraschend. Das zeigt aber auch, was auf relativ kleinem Raum alles zum Ausdruck kommen kann: Status und Statement, Macht und Unterdrückung sowie die schier endlosen Spielarten von der Lust bis zur Pein. Man denke nur an den Einsatz der Stilettos und auf der anderen Seite an die sogenannten Lotusfüße, die das Resultat eines einzigen Martyriums gewesen sind.

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