Die Schau „Tell me about yesterday tomorrow“ im NS-Dokuzentrum

Was erzählt uns die Vergangenheit über die Zukunft? Die Schau „Tell me about yesterday tomorrow“ im NS-Dokuzentrum

Diese Ausstellung ist ein Statement: „Tell me about yesterday tomorrow“, die Gast-Kurator Nicolaus Schafhausen für das NS-Dokumentationszentrum zusammengestellt hat. Wie Direktorin Mirjam Zadoff betont, gelte es, die „Relevanz der Erinnerung“ hochzuhalten und mit einer „Solidarität des Denkens“ der „Radikalisierung des Politischen“ in der Gegenwart entgegenzuwirken.

Sichtbar werden soll das in dieser „vielstimmigen“ Präsentation mit Beiträgen von 46 internationalen – renommierten und jungen – KünstlerInnen, die sich mit Ausgrenzung und Verfolgung auseinandersetzen – und den globalen Kontext herstellen. Vom Holocaust führt der weite Bogen über die Unterdrückung von Indigenen und die Stigmatisierung von Homosexuellen zum neuen Hass gegen Juden – und Muslime.

Nüchterner Wahnsinn

Anders als bisherige Sonderausstellungen zieht sich „Tell me about yesterday tomorrow“ durch alle Ebenen des Hauses. Es gibt viele Videos, etwa von Kader Attia, der die Auswirkungen des Kolonialismus untersucht, oder Leon Kahane, der in Pitchipoi“ die „Cité de la Muette“ im Großraum Paris aufsucht, wo unter dem Vichy-Regime ein Sammellager für jüdische Gefangene vor der Deportation war. Für „Karmel Dachau“ geht Andrea Büttner ins Karmelitinnenkloster auf dem Gelände des ehemaligen KZs Dachau und Cana Bilir-Meier begleitet für „This makes me predict the past“ türkisch-kurdische Freundinnen beim Abhängen im OEZ – drei Jahre nach dem rechtsradikalen Anschlag.

Gregor Schneider arbeitet sich mit dem ihm eigenen nüchternen Wahnsinn an Goebbels‘ Geburtshaus in Rheydt ab, das er, der ebenfalls von dort stammt, 2014 kaufte. Michaela Melián baute Thomas Manns einstige Villa in Bogenhausen in Taubenhaus-Größe nach, um die leere Hülle mit Zitaten aus dessen Werk zu erhellen, und Paula Markert fotografierte Schauplätze des NSU-Terrors.

Die Schau ist so nah am Puls der Zeit, dass ein Werk die antisemitische Attacke auf die Synagoge in Halle verarbeitet: Sebastian Jung hat sich das Täter-Video angesehen und in krakelige Zeichnungen übersetzt – die das Grauen, das ein einziger Mann mit Gewehr verbreitet, einfangen, aber auch Schlaglichter auf die Psyche des Täters werfen. Es ist ein schmaler Grat zwischen Aufklärung und Banalisierung, den Jung meistert. Der gebürtige Jenaer ist schon lange gegen Nazis im aktiv. Die Zeichnung ist seine Art, das Geschehen zu begreifen und zugleich Distanz herzustellen.

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