Reise ins Corona-Risikogebiet stornieren – das müssen Sie beachten

Bei überraschenden Zahlungsaufforderungen: Erst einmal misstrauisch sein!

Überraschende Zahlungsaufforderungen und Inkassoverfahren – einige Urlauber fühlen sich von Reiseveranstaltern unter Druck gesetzt, wenn sie ihre Reise ins Risikogebiet kostenlos stornieren möchten. Die Erfahrungen und Probleme, die uns Urlauber hierzu immer wieder schildern, sind durchaus keine Einzelfälle. Es empfiehlt sich, erst einmal misstrauisch zu sein, wenn Veranstalter Forderungen dieser Art stellen. RTL-Reiseexperten Ralf Benkö gibt Tipps, wie Sie sich verhalten sollten, damit Sie ihr Geld nach einer Stornierung wegen Corona zurückbekommen.

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Veranstalter verlangt Stornogebühren – muss ich bezahlen?

Die Reise soll ins Risikogebiet gehen und der Veranstalter verlangt Stornogebühren – muss man auf solche Forderungen eingehen? Nicht unbedingt, erklärt Ralf Benkö, wenn Urlauber der Ansicht seien, sich auf “unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände” berufen zu können, wenn sie den Rücktritt vom Reisevertrag erklären. “Natürlich sollte man das Gespräch mit dem Veranstalter suchen, doch bewegt der sich nicht, kann man sich über Verbraucherzentralen oder einen Fachanwalt beraten lassen.” Vor allem wenn man selbst Geld vom Veranstalter zurückfordere, etwa die Vorauszahlung für die Reise, müsste man aktiv werden und das Geld zur Not gerichtlich einklagen, so Benkö.

Dass die kostenfreie Stornierung im Falle einer Reisewarnung im Regelfall erstattet werden muss, bestätigt uns auch Paul Degott, Fachanwalt für Reiserecht: “Mit Reisewarnung im Rücken ist mit Stornorechnung überhaupt nichts. Also was soll man denn als Reisender sonst noch an wichtigen Informationen zusammentragen?” Paul Degott betont, dass der Urlauber die Forderung auf kostenlose Stornierung, gut begründen können muss. Was Sie dabei unbedingt beachten und wie vorgehen sollten, erklärt er hier.

Veranstalter schaltet Inkassobüro ein – was nun?

Ihren Forderungen an den Veranstalter wurde nicht nachgegangen – und plötzlich finden Sie das Schreiben eines Inkassobüros im Briefkasten? Reiseexperte Ralf Benkö rät: “Einem solchen Inkassoschreiben für eine Reise-Stornierung klar widersprechen, sofern man überzeugt ist, korrekt kostenfrei storniert zu haben.” Unter Berufung auf §651h BGB sollte zusammengetragen werden, welche unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände am Urlaubsort vorherrschen und damit für eine kostenfreie Stornierung sprechen. Aber auch hier muss beachtet werden: “Wer zu früh storniert, der riskiert, dass seine Prognose für die erhebliche Beeinträchtigung im künftigen Urlaub vielleicht nicht ausreicht”, warnt Benkö.

Soll ich mit der Stornierung warten, bis eine Reisewarnung ausgesprochen wird?

Ist es die richtige Entscheidung, mit der Stornierung zu warten, bis eine Reisewarnung ausgesprochen wird? “Wenn Urlauber ihre Entscheidung zu verreisen davon abhängig machen, wie die offizielle Einstufung durch das Auswärtige Amt ausfällt, kann man das machen”, informiert der RTL-Reisereporter. Denn bei einer Reisewarnung für den gebuchten Urlaubsort sei kostenfreies Stornieren dann normalerweise möglich. Wer sich aber in jedem Fall absichern und auch ohne Reisewarnung eine kostenfreie Storno-Option haben möchte, der könne sich bei der Buchung an Angeboten mit Flex-Garantie orientieren, so Benkö. Gegen einen geringen Aufpreis sei die kostenlose Stornierung dann in jedem Fall bis einige Wochen vor Abreise noch möglich. “Die genauen Bedingungen hierfür unterscheiden sich zwischen den Veranstaltern. Deshalb sollte man sie genau prüfen”, mahnt der Experte.

Was tun, wenn die Reisewarnung ausbleibt und keine Flex-Option dazugebucht wurde?

“Die Reisewarnung ist keine Bedingung für einen kostenfreien Rücktritt. Dabei kommt es auf unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände, auf eine erhebliche Beeinträchtigung der Reise an”, erklärt Ralf Benkö. Diese könnten zum Beispiel auch bei der Einstufung als Risikogebiet durch das Robert-Koch-Institut schon gegeben sein. “Das sehen Reiseveranstalter aber meist anders”, warnt Benkö. “Ich würde dringend dazu raten, dass man sich nicht so unter Druck setzen lässt, dass man eine Reise trotz Angst und großen Bedenken antritt. Denn wenn man sich vor Ort mit Corona infiziert, können die Folgen weitaus schlimmer und teurer sein, als ein Streit um Stornogebühren.”

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Stornierung von X-Pauschalreisen besonders problematisch

Besonders schwierig sei es dort, wo die Buchung einer sogenannten X-Pauschalreise vorliegt: “Auch wenn diese theoretisch genauso wie andere kostenfrei stornierbar sein könnte, zum Beispiel bei einer Reisewarnung, wehren sich Veranstalter hier oft stärker dagegen”, erklärt Benkö. “Denn bei diesen Reisen haben sie in der Regel die Flüge schon fest eingekauft und hätten eben selbst höhere Kosten beim Stornieren.” Hier steige das Risiko, den Fall mithilfe eines Anwalts oder sogar vor Gericht regeln zu müssen.

Das sollten Sie VOR der Buchung unbedingt beachten

In den von Urlauben geschilderten Fällen wurde die stornierte Reise meist vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie gebucht. Urlauber dagegen, die jetzt buchen, kennen nun bereits das generelle Corona-Risiko. Dadurch kann es schwerer werden, sich bei Stornierungen auf Einschränkungen zu berufen. “Den Überraschungs-Effekt wie letztes Jahr, als viele Urlauber bei der Buchung vom späteren Corona-Ausbruch nichts wissen konnten, den gibt es jetzt nicht mehr. Urlauber sollten deshalb ihr Reise-Risiko vor Augen haben und schon bei der Buchung auf ausreichende Absicherung achten!”, rät Reiseexperte Ralf Benkö.


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