Annett Louisan: "Ich habe Existenzängste"

Sie zählt zu den bekanntesten deutschsprachigen Sängerinnen. Doch auch Annett Louisan hat Sorgen. Im Interview mit t-online spricht sie darüber, kleinere Brötchen zu backen und übers Brötchenbacken.

Sie hat weit über eine Million Tonträger in Deutschland verkaufen können, mit Songs wie “Das Spiel” oder “Drück auf 1” große Singleerfolge gefeiert und dennoch wird es finanziell nun etwas knapper. Annett Louisan leidet, genau wie die gesamte Kulturbranche, unter der Zwangspause.

Im Telefonat mit t-online, welches sich eigentlich um ihr Cover des “Tom & Jerry”-Titelsongs “Vielen Dank für die Blumen” und Udo Jürgens dreht, kommen wir schnell auf den Ernst des Lebens zu sprechen: Corona, keine Auftritte, Finanzen. Da wird auch mal ganz spontan über einen möglichen Plan B nachgedacht.

Annett Louisan: Es ist natürlich dramatisch. Aber man darf auch nicht vergessen: Die Menschen haben Angst. Das sieht man auch am Kaufverhalten. Gerade das ältere Publikum zögert noch, auf Konzerte zu gehen. Das ist verständlich, weil man nicht weiß, was morgen ist. Die letzten Konzerte, die ich spielen konnte, habe ich genossen, aber sie waren strange.

Wieso strange?

Die Regeln waren sehr streng und ich habe auf der Bühne die Anordnungen des Sicherheitspersonal mitbekommen, wenn Leute aufgestanden sind.

Haben Sie aktuell Existenzängste?

Ja, die habe ich. Die fingen im April an, als es diesen harten Lockdown gab. Da wurde es dunkel für mich. Ich bin Livemusikerin. Dafür und davon lebe ich. Ich muss umdenken.

Inwiefern denken Sie um?

Ich kann auch in kleinen Klubs oder Theatern auftreten, wo Konzerte vielleicht gestattet sind. Da muss man mit kleinerem Besteck spielen. Aber das ist mir scheißegal, ich will einfach nur auf die Bühne (lacht). Aber man muss zu jeder Zeit flexibel sein und sich den Umständen anpassen.

Also macht sich der Lockdown schon finanziell bemerkbar?

Ja, um durch die Zeit zu kommen, müssen Künstler ans Ersparte. Aber ich will mich gar nicht beschweren, denn ich sehe bei befreundeten Künstlern, wie viel schwerer manche es haben.

Überlegen Sie sich schon einen Plan B?

Hmm, ich habe ja nichts anderes gelernt. Ich habe angefangen zu studieren, mich dann aber für die Musik entschieden. Fotografie ist etwas, was mich sehr interessiert. Visuelle Künste oder Musik mit Bild zu verbinden, das reizt mich. Aber wenn es hart auf hart kommen würde, kann ich zum Beispiel auch beim Bäcker stehen und Brötchen verkaufen, damit auch welche zu Hause sind (lacht).

Immerhin konnten Sie den Titelsong für den neuen “Tom & Jerry”-Film singen. Ein Cover des Klassikers von Udo Jürgens. Sie kannten sich persönlich, oder?

Ich durfte mit Udo noch für eine Sendung anlässlich seines Geburtstags arbeiten. Da waren schon fast alle Gäste eingeladen, meine Einladung kam erst später. Aber auf Udos Wunsch hin!

Das ehrt einen doch sicher. Wie haben Sie ihn erlebt?

Wir haben uns sehr gut verstanden und er kannte sogar mein Repertoire. Danach sind wir weiter in Kontakt geblieben.

Wie sah der Kontakt aus?

Wir hatten damals zwei Tage an dieser Sendung gearbeitet, standen zusammen auf der Bühne und haben danach miteinander gegessen. Als er auf Tour kam, habe ich ihn in Hamburg getroffen. Es war toll, ihn auch persönlich gekannt zu haben.

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Waren das Kollegengespräche, wo man sich Tipps und Tricks geholt hat, oder war das eher casual?

Ich hätte mir gerne mehr Tricks von ihm abgeschaut, aber drei Wochen nach einem Treffen bei seinem Konzert in Hamburg kam die traurige Nachricht von seinem Tod. Das hat mich geschockt. Wir hatten uns ja gerade erst kennengelernt. So wie ich ihn wahrgenommen habe, war Udo Jürgens ein unheimlich charmanter, wacher und interessierter Mensch. Er hat wirklich Fragen gestellt und hatte Interesse an einem. Das war nicht dieser oberflächliche Talk, den man von Veranstaltungen kennt.

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