Neue ABBA-Songs: Braucht man das noch?

t-online hat offene Ohren für die wichtigsten Alben der Woche und gibt Ihnen Musiktipps. Diesmal mit dem Comeback von ABBA, der neuen Iron Maiden und dem Robin-Hood-Album von Chris de Burgh.

Wenn Sie mal wieder richtig Lust auf neue Sounds haben, Ihnen aber die Zeit fehlt, sich durch die Veröffentlichungen der Woche zu hören, stimmt t-online Sie mit der wöchentlichen Rubrik “Schon gehört?” ein.

ABBA – Voyage (Vorabsongs)

Aufgelöst hatte sich die schwedische Popsensation nie offiziell. Ein Comeback wurde seit Jahren spekuliert. Und jetzt ging alles Schlag auf Schlag: Pressekonferenz, ein aufregendes Hologram-Konzert soll folgen und neue Musik gibt es auch noch. Mit “Voyage” wird am 5. November ein Album mit zehn neuen Songs erscheinen. Die ersten beiden haben Agnetha, Björn, Benni und Ani-Frid bereits veröffentlicht.

Das letzte ABBA-Studioalbum “The Visitors” liegt 40 Jahre zurück. In der Zwischenzeit sind neue Musikstile entstanden, andere in Vergessenheit geraten. So lange wie die Schweden Pause gemacht haben, haben andere Karrieren nicht gehalten. Wie klingt da also neue Musik? Ist das der bekannte 70er-Disco-Pop/Rock oder biedert sich die Truppe jetzt den aktuellen Musiktrends an? Eine Madonna macht das ja auch, weil sie selbst keinen Stil mehr prägen kann wie vor 25 Jahren. 

Ich kann Sie beruhigen. “Don’t Shut Me Down” hätte auch auf den späteren ABBA-LPs bestehen können. Der Gesang klingt noch immer genau wie früher, musikalisch ist das erwachsenes, gar leicht dramatisches Songwriting samt Saxofon-Solo. “I Still Have Faith In You”, der andere neue Track der wiedervereinigten Kultband, die immerhin über 400 Millionen Alben verkaufen konnte, spricht eine andere Sprache. Deutlich ruhiger beginnt diese Nummer, steigert sich langsam. Klingt aber sowas von nach ABBA 1979, dass man sich da echt fragen muss: Ist das wirklich neu oder hat man aus Versehen doch eine alte Platte angemacht?

Und wenn man sich diese Frage schon stellt, dann kann man auch hart mit sich ins Gericht gehen: Will man das? Für viele Fans ist die Diskographie von ABBA perfekt. Acht Studioalben, die man in den 40 Jahren Pause dank Neuauflagen immer wieder neu entdecken konnte. Jetzt kommt ein neuntes Werk dazu. Und das birgt natürlich die Gefahr, dass da auch Mumpitz dabei sein könnte. Was macht das dann mit dem Erbe der Band? Zieht es das runter? Kann man es wegen der langen Pause ausklammern?

Doch das wird wohl jeder selbst entscheiden müssen. Die Welt hätte sich über neue Konzerte der vier Originalmitglieder wohl schon genug gefreut. Die neue Musik hätte man – auch wenn es durch und durch gut gemachte ABBA-Songs sind – wohl nicht mehr gebraucht.

Iron Maiden – Senjutsu

Die Frage, ob man von alten Helden noch neue Musik braucht oder nicht, stellt sich heute auch bei Iron Maiden. Die Heavy-Metal-Legende hat besonders in den 80ern Klassiker auf Klassiker veröffentlicht. Ab den 90ern wurde es durch Besetzungswechsel und eher schwankende Qualität wirklich interessant. Die Blaze-Bayley-Jahre halte ich für besser als oft behauptet wird. “The X-Factor” etwa ist eine absolute Granate und wenn man “Virtual XI” hört, ist es meist besser als man es in Erinnerung hatte. Außer “The Angel and the Gambler” – es bleibt auf ewig der Song, der nicht sein sollte. 

Die ersten drei Reunionalben mit Sänger Bruce Dickinson waren bockstark. Mit “The Final Frontier” konnte ich spätestens drei Monate nach der Veröffentlichung nichts mehr anfangen. Zu zahnlos, zu progressiv, zu langatmig. Der Nachfolger “Book of Souls” war trotz Überlänge wieder besser. Und wäre dies das letzte Album von Iron Maiden nach fast 45 Jahren im Geschäft gewesen, dann wäre es ein schöner Schlussakkord gewesen. Doch jetzt gibt es da noch “Senjutsu”. 

82 Minuten, zehn Songs. Das erfordert Zeit. Als ich das Album vor ein paar Wochen das erste Mal gehört habe, da wusste ich nicht so recht, was ich damit anfangen soll. Der titelgebende Opener etwa baut sich erst sehr langsam auf, vielleicht zu langsam. Andere Nummern wie “Death of the Celts”, die Ballade “Darkest Hour” oder “Lost in a Lost World” versprühen jeweils ganz eigene Vibes. Hier wird mal ein bisschen aus dem Korsett der Fanerwartungen ausgebrochen. 

Doch dann ist da Goldkehlchen Bruce… Mensch, das traut man sich gar nicht öffentlich zu sagen, gilt er doch als DER Sänger im Metal-Bereich. Aber – vorsichtig ausgedrückt – der Gesang sitzt nicht. Etwas dünn und stets am Limit. Nun, er ist halt auch schon jenseits der 60 und seit über 40 Jahren im Rock’n’Roll tätig. Jetzt nicht falsch verstehen: Er trifft die Töne, er klingt nach Bruce, aber in den Höhen geht ihm etwas die Puste aus.

Und wie finden wir “Senjutsu” jetzt? Auf die ersten Durchläufe sehr gut. Kein neues “Somewhere in Time”, auch nicht so frisch und energiegeladen wie “Brave New World”. Sagen wir es so: Sie werden zunächst viele schöne Stunden mit dieser LP haben. Aber wie man die Sache mit etwas Abstand betrachtet, bleibt spannend.

Chris de Burgh – The Legend of Robin Hood

Der große Romantiker beschäftigt sich nun mit einer der größten Legenden der westlichen Kultur. Chris de Burgh widmet Robin Hood ein ganzes Album. Es wird von einer durchgehenden Geschichte, die sich der Ire ausgedacht hat, getragen.

Folk, ein wenig Rock, etwas Mittelalter-Flair. “The Wedding Feast” etwa könnte ein aufpoliertes Renaissance-Stück sein. “The Man With the Double Face” hat ebenfalls diesen Mittelaltermarkt-Flair. Aber das passt zur Thematik, macht diese halbwegs authentisch. Und so kann man sich die 58 Minuten von “The Legend of Robin Hood” ganz nett anhören. Wirkliche Highlights stechen nicht heraus, aber schlecht ist das Gehörte auch nicht. 

Diane Warren – The Cave Sessions: Volume 1

Sie hat Hits wie “I Don’t Want to Miss A Thing” von Aerosmith, “If I Could Turn Back Time” von Cher oder Toni Braxtons Herzschmerznummer “Un-Break My Heart” komponiert. Nun tritt sie selbst in den Vordergrund und liefert nach fast 40 Jahren im Musikgeschäft als Songwriterin ihr erstes eigenes Album. 

  • Bill und Tom Kaulitz: ”Bei unterschiedliche Ansichten wirds ungemütlich”
  • Beatrice Egli: ”Das ist ein intimes Thema”
  • Chris de Burgh: ”Daran werden Familien zerbrechen”

Bei jedem Song arbeitet sie mit anderen Künstlern zusammen. So sind alte Weggefährten wie Céline Dion, Leona Lewis oder Carlos Santana dabei, aber auch ein James Arthur oder Rapper G-Eazy. Und so unterschiedlich klingen die Songs auch. Mal Pop, mal Latin, mal R’n’B. Warren legt sich auf diesen Songs nicht fest, tobt sich genauso aus, wie sie es im Verlauf ihrer Karriere gemacht hat. Aber die Dame kann Songs schreiben, versteht ihr Handwerk gut. 

Die ABBA-Songs können Sie streamen. Alle Alben sind ab jetzt digital und physisch erhältlich. Wir hören uns wieder!

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