Ringo Starr braucht die Beatles nicht mehr

t-online hat offene Ohren für die wichtigsten Alben der Woche und gibt Ihnen Musiktipps. Diese Woche mit Ex-Beatle Ringo Starr, Justin Biebers Überraschungsalbum und Kiss-Sänger Paul Stanley ohne Schminke.

Wenn Sie mal wieder richtig Lust auf neue Sounds haben, Ihnen aber die Zeit fehlt, sich durch die Veröffentlichungen der Woche zu hören, stimmt t-online Sie mit der wöchentlichen Rubrik “Schon gehört?” ein.

Ringo Starr – Zoom In

Was ist denn gerade bei den früheren Beatles los? Letzten Dezember veröffentlichte Paul McCartney ein neues Soloalbum, jetzt legt Drummer Ringo Starr mit der fünf Songs starken EP “Zoom In” nach.

Eigentlich wurde Ringo bei den Beatles immer belächelt. Er war halt der lustige Drummer an der Seite von McCartney, George Harrison und John Lennon. Dabei ist “Zoom In” eine recht abwechslungsreiche Mini-Platte. In gerade einmal 19 Minuten bespielt der Ex-Beatle erstaunlich viele Felder: Flotte Rock’n’Roll-Nummern, etwas Reggae (“Waiting for the Tide to Turn”) und etwas Blues. 

Und ja, Paul McCartney wirkt in der Tat etwas ernstzunehmender mit seinem erwachsenen Sound, während Starr sich in manchen Arrangements etwas zu sehr auf die Beatles bezieht. Spaß macht “Zoom In” trotzdem.

Lana Del Rey – Chemtrails Over the Country Club

Was piepst sie denn so? Im Opener “White Dress” kommt die Stimme von Lana Del Rey hörbar an ihre Grenzen. Oder sie versucht Björk zu imitieren. Kann auch sein. So oder so: Kein angenehmer Start in den sonst so smoothen Pop Noir der US-Hit-Sängerin. Danach wird es zum Glück besser.

Zurückhaltende Nummern, wenig Trallala und viele laszive Vocals: Lana bleibt ihrem Erfolgsrezept nach dem Totalausfall zum Start treu. Ein bisschen mehr 60’s-Sounds und Folk swingen dieses Mal mit. Aber der große Ohrwurm fehlt einfach nach den ersten Durchläufen. “Chemtrails Over the Country Club” ist schöne Musik für den Hintergrund, aber nichts zum Mitfiebern. Und jetzt muss man auch klar sagen: Das war auf “Born to Die” neu. Vier Alben später kennt man die Formel der Sängerin eben. 

Papa Roach – Greatest Hits, Vol. 2: The Better Noise Years

Mit “Last Resort” wurden Papa Roach vor gut 20 Jahren zu Rockstars. Seitdem verlief ihre Karriere recht turbulent. Mal erfolgreicher, mal weniger wechselten sie oft ihre Stilrichtungen. Nu Metal, Alternative Rock, eher klassischer Hard Rock und dann wieder moderne Sounds mit viel Elektronik.

Was die Band in den letzten Jahren gemacht hat, wird auf “Greatest Hits, Vol. 2” zusammengefasst. Rein künstlerisch war besonders in den letzten zehn Jahren viel los. Und gute Songs wie das eingängige “American Dreams”, “Still Swingin'” oder “Kick in the Teeth” hat das Quartett auch vorweisen können.

Wer die Alben schon hat, der kriegt immerhin ein paar nette Bonusinhalte bei dieser Compilation. Eine sehr Dance-lastige Neuaufnahme von “Broken as Me”, vier Remixes und zwei Livesongs.

Paul Stanley’s Soul Station – Now and Then

Mit Kiss wurde Paul Stanley zur unsterblichen Legende. Er sang Hits wie “I Was Made For Loving You”, “Detroit Rock City”, “Lick It Up” oder “Crazy Nights”. Doch Kiss befinden sich nach fast 50 Jahren Rock’n’Roll auf der Zielgeraden, touren noch ein letztes Mal um die Welt. Das noch immer aktuelle Album “Monster” liegt schon gut neun Jahre zurück. Die letzte Soloplatte von Paul Stanley, “Live to Win” sogar 15. 

Nun meldet sich das “Starchild” mit seiner anderen Band Soul Station zurück. Und auf “Now and Then” wird Soul ganz groß geschrieben. Mit Hard Rock hat das hier nämlich nichts zu tun. Stanley zelebriert den Soul und R’n’B der 1970er-Jahre. Einzig die moderne Produktion verweist auf eine jüngere Aufnahme. Viel Bläser, viel Background-Gesang, flotte Rhythmen und über allem liegt die noch immer hervorragende Stimme des Musikers. 

Klar, eine letzte Kiss-Platte wäre natürlich auch schön gewesen. Aber vielleicht ist diese Geschichte auch einfach auserzählt. Ich persönlich würde generell eine Rockplatte von dem 69-Jährigen hören wollen. Aber wieder zurück zu “Now and Then”. Der Blue Eyed Soul ist schon gut gemacht. Pauls Gesangsmelodien gehen ins Ohr, nur manchmal ist mir das zu schmalzig. “Ooo Baby Baby” etwa – der Titel sagt schon alles …

Justin Bieber – Justice

Und Schwupps ist es da: ein neues Album von Popstar Justin Bieber. Dabei wurde die Platte erst diese Woche angekündigt. Naja, große Marketingstrategien braucht man 2021 wohl nicht mehr. Jetzt ist alles schnell und sofort für jeden dank Spotify und Apple Music verfügbar.

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Mit “Deserve You” geht es zwar schwungvoll und lyrisch erstaunlich introspektiv los. “Die for You” versprüht einen schönen 80er-Flair. Aber einiges geht komplett an mir vorbei: “Somebody” ist ein bisschen austauschbar, “Lonely” ebenfalls. Trotzdem hat man irgendwie das Gefühl, dass Justin Bieber hier ein echtes Album zusammengeschustert hat und nicht nur eine Ansammlung von 16 völlig unzusammenhängenden Songs in einer Playlist.

Alle Alben sind am 19. März in digitaler sowie physischer Form erschienen. Wir hören uns wieder!

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