"Das Verständnis für Harry und Meghan ist gesunken"

Nachdem Prinz Harry und Herzogin Meghan Anfang 2020 den Wunsch geäußert hatten, unabhängig vom Königshaus sein zu wollen, trat am 1. April der sogenannte „Megxit“ in Kraft. Ein Jahr später ist klar: Die Lücke, die das Paar hinterlässt, ist kaum zu schließen.

„Wir konzentrieren uns auf dieses neue Kapitel, um zu verstehen, wie wir am besten dazu beitragen können“, schrieben Prinz Harry und Herzogin Meghan vor einem Jahr und nahmen damit Abschied von ihrer Instagram-Gemeinschaft mit über zehn Millionen Followern. Seitdem ist auf dem Profil mit dem Namen „Sussex Royal“ nichts mehr passiert, es ist stillgelegt. Anders als das neue Leben des Paares und die jüngst aufgekommenen skandalösen Enthüllungen über das Königshaus.

Michael Begasse: Der Adelsexperte analysiert die Entwicklungen im britischen Königshaus seit dem „Megxit“ für t-online. (Quelle: TVNOW / Frank W. Hempel)

Wo Harry und Meghan ein Jahr nach dem „Megxit“ besonders fehlen, kann Michael Begasse leicht, schnell und ohne Umschweife erklären. Seine unmissverständliche Antwort: „in den Herzen der Menschen“. Doch nicht nur dort, auch innerhalb der Royal Family hinterlassen sie zwei freie Plätze, die nicht so einfach neu zu besetzen sind. Dabei ist es laut Michael Begasse dringend notwendig, diese Lücke zu füllen. „Aber genau das ist ja das Dilemma der Queen. Sie selbst und ihr Mann Prinz Philip, der demnächst 100 wird, sind zu alt. Charles und Camilla, die sehr viele Termine wahrnehmen, sind komplett ausgebucht. William und Kate sind durch ihre kleine Familie gleich doppelt belastet“, führte der Experte aus.

„Sie besitzen alles, nur keinen Glamour“

Besonders Gräfin Sophie, die Frau von Prinz Edward, dem jüngsten Sohn der Queen, wurde zuletzt immer häufiger in den Vordergrund geschoben. Begasse jedoch betont, dass die Sussexes „in einer ganz anderen Kategorie gespielt“ haben als die Wessexes. „Prinz Edward und seine Frau Sophie fungieren aktuell als Retter in der Not, allerdings besitzen sie alles, nur keinen Glamour. Und das trifft auch auf die fleißige Prinzessin Anne zu. Und das war’s. Denn Prinz Andrew will nach seinem Sexskandal nun wirklich niemand im Namen der Krone sehen.“

Sophie, Countess of Wessex: Sie vertritt die Royal Family häufig bei offiziellen Terminen.(Quelle: IMAGO / Starface)

„Eine Rückkehr nach London wird es so schnell nicht geben“

Auch abgesehen von der Sussex’schen Lücke schaut Michael Begasse als Beobachter des Königshauses gespalten auf die Entwicklungen, die der royale Rückzug im vergangenen Jahr nach sich gezogen hat. „Das Jahr hat mit viel Hoffnung und auch viel Verständnis für Prinz Harry und seine Frau Meghan begonnen und ist mit einem royalen Beben zu Ende gegangen“, so Begasse. Was er mit dem „royalen Beben“ meint, liegt für viele auf der Hand: „Seit dem Interview der beiden bei Oprah Winfrey ist für mich klar: Eine Rückkehr nach London, eine Rückkehr in den Kreis der Senior Royals wird es so schnell nicht geben.“ Die Möglichkeit haben Harry und Meghan sowieso ausgeschlagen. Kürzlich verkündete der Palast, dass sie die Möglichkeit, nach einem Jahr in ihre royalen Rollen zurückzukehren, nicht wahrnehmen wollen. Begasse fügt hinzu: „Diese Hoffnung ist zerplatzt. Und das Verständnis für das Paar nach den öffentlichen Angriffen auf die königliche Familie ist gesunken.“ 

Zu dem Interview, das Harry und Meghan der US-Talkmasterin gegeben haben und viele Anschuldigungen gegen die Royal Family beinhaltete, sagt Begasse weiter: „Ich finde, weder die Chefin der ‚Firma‘ (so nennen sich die Royals Berichten zufolge selbst, Anm. d. Red.), noch das Staatsoberhaupt, geschweige denn die eigene Oma hat es verdient, aus den Medien zu erfahren, was den Prinzen, ihren Enkel, bewegt und verletzt hat. Elisabeth II. wird in ein paar Tagen 95! Ich finde, das hat die Queen wahrlich nicht verdient“, betont Begasse. Er hält offenbar eher weniger von der Art und Weise, wie sich Harry und Meghan inzwischen mitteilen, sowohl ihrer Familie als auch der Öffentlichkeit. „Ich bin eher ein Freund von offenen Worten auf Augenhöhe“, erklärt Begasse und findet, Harry und Meghan hätten zu solchen „lange vor dem ‚Megxit‘ und auch vor dem Interview“ greifen sollen. 

Prinz Harry und Herzogin Meghan: Die beiden haben für ein ausführliches TV-Interview mit US-Talkshow-Host Oprah Winfrey gesprochen. (Quelle: Joe Pugliese/Harpo Productions/PA Media/dpa)

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„Das wird ein hartes Stück Arbeit“

Was nach einem Jahr „Megxit“ zurückbleibt, sind Rassismusvorwürfe gegen das Königshaus, die auch fast einen Monat nach dem enthüllenden Interview im Raum hängen und sich in den Köpfen vieler festgesetzt haben. „Vor allem Meghan hat das Königshaus und die Familie aufgerüttelt und die Queen wird darauf reagieren, weil sie muss“, erklärt Begasse. „Die erste Familie des Landes muss sich glaubhaft reformieren und muss den Untertanen ein Vorbild sein. Rassismus, Sexismus, Ausgrenzung und Vorurteile gegenüber Menschen mit nicht weißer Hautfarbe dürfen in der ‚Firma‘ keinen Platz mehr haben. Das wird ein hartes Stück Arbeit“, so Begasse weiter. 

Die Queen soll an einem Plan arbeiten, was die Anschuldigungen angeht. Harry und Meghan kochen ihr eigenes Süppchen – ob nun mit einem streng ausgearbeiteten Plan oder ohne –, sie starten neue Projekte, äußern sich gelegentlich zu politischen und gesellschaftlichen Themen oder verkünden, wie jüngst im US-Magazin „Harper’s Bazaar“, dass sie wieder Eltern werden. Dabei zeigen sie sich modern, geben sich betont bodenständig. Harry und Meghan standen immer auch für eine Modernisierung des Königshauses. Die scheint jetzt erstmal stillzustehen, so wie der Instagram-Account „Sussex Royal“.

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