Der Politiker trauert um seine Mutter

Der Grünen-Politiker Cem Özdemir (55) erinnert sich auf Instagram in einem Nachruf an seine im Alter von 88 Jahren gestorbene Mutter Nihal Özdemir. Wer er geworden sei, verdanke er "zu einem großen Teil" ihr. Sie habe ihm unter anderem "früh Respekt für unsere christlichen NachbarInnen gelehrt".

“Wie es sich für gute Nachbarn eben gehört”

"Bei uns zuhause war die Bude oft voll, meine Freundinnen und Freunde haben mich gern besucht", schreibt Özdemir weiter. Die Kinder durften dort fernsehen, "bis unsere Augen viereckig wurden", was bei den Nachbarn nur selten erlaubt war. Nach der Arbeit in einer Papierfabrik habe seine Mutter zudem immer Süßigkeiten mitgebracht und verteilt.

Sie habe nicht verstehen können, wenn andere Eltern ihren Kindern TV und Süßigkeiten vorenthielten. Özdemir erklärt: "Meine Mutter hielt diesen Mangel für ein Zeichen von Armut und dachte, wenn die Nachbarsfamilien sich Süßigkeiten und Fernseher nicht leisten können, dann muss ich das eben übernehmen, wie es sich für gute Nachbarn eben gehört."

Bad Urach war ihre “zweite Heimat”

Nihal Özdemir sei eine "beeindruckende und mutige Frau" gewesen. "Wenn ich irgendetwas über Liebe, Menschlichkeit und Bescheidenheit gelernt habe, dann verdanke ich es meinen Eltern und ihrer Überzeugung, dass man Patriot sein kann, ohne Nationalist zu sein", schreibt der Politiker weiter.

Sein Vater Abdullah ist bereits 2015 gestorben. In Cem Özdemirs Geburtsort Bad Urach sei seine Mutter "in ihrem Bett friedlich eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht, so wie sie es sich gewünscht hatte". Sie sei aus Istanbul dorthin gekommen und habe "zusammen mit meinem Vater ihre zweite Heimat" gefunden. Özdemirs Mutter habe "viel erlebt und durchgemacht, die Zeit hat an ihr gezerrt aber ihr auch viel geschenkt. Für diesen Lebensweg habe ich in meinem Herzen ein Denkmal für sie errichtet, vor dem ich mich nicht nur heute verneige."

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