"Fack ju Göhte"-Star Uschi Glas: Darum denkt sie noch nicht an Rente

  • Uschi Glas ist eine der erfolgreichsten Charakterdarstellerinnen im deutschsprachigen Raum, die sich mit „Fack ju Göhte“ auch in die Herzen des jungen Publikums spielen konnte.
  • Im Interview mit unserer Redaktion spricht die 77-Jährige über diesen für sie überraschenden Hype und die Gründe, warum die Rente für sie noch kein Thema ist.
  • Zudem bezieht Glas zur Bundestagswahl Stellung und fordert von der Politik: „Die Probleme, die vor der Tür stehen, müssen angegangen werden.“

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Frau Glas, am 9. Oktober jährte sich der Tod von Roy Black zum 30. Mal. Warum übt der Schlagersänger und TV-Star heute noch eine solch große Faszination aus?

Uschi Glas: Er hatte eine sehr menschliche Ausstrahlung und eine einzigartige Stimme. Es ist ihm immer eindrucksvoll gelungen, sein Publikum zu berühren. Dass ihm seine Fans bis heute die Treue gehalten haben, beweist, dass Roy Black in seinem Leben viel mehr bewirkt hat, als es ihm seine Kritiker zugestehen wollten.

Sie standen in vielen Filmen an der Seite von Roy Black vor der Kamera, darunter in „Hilfe, ich liebe Zwillinge!“ Nun erwartet Ihre Tochter Julia Zwillinge. Schließt sich für Sie der Kreis in gewisser Weise?

Ich kann sagen, dass ich mich wirklich sehr darauf freue. Allerdings möchte ich das Thema an dieser Stelle nicht näher ausführen, da es privat bleiben sollte.

Uschi Glas: „Sicherlich gibt es Angebote, bei denen man genau überlegen muss“

Lassen Sie uns über Ihre beruflichen Pläne sprechen. An Rente denken Sie noch lange nicht, richtig?

Ganz und gar nicht, weil ich nach wie vor großen Spaß am Spielen habe. Wenn man die Chance und das Glück hat, als Schauspielerin Angebote zu bekommen, dann kann man im Prinzip sein ganzes Leben lang arbeiten. Heute schlüpfe ich eben in die Rollen von älteren Frauen. Sicherlich gibt es manchmal Angebote, bei denen man erst einmal genau überlegen muss …

Traf das auf „Fack ju Göhte“ auch zu?

Das war ein Sonderfall. Der Regisseur Bora Dagtekin liebte als Kind diese Pauker- und Lümmel-Filme, in denen ich in jungen Jahren mitgespielt habe. Er wünschte sich so sehr, dass ich die Rolle der Ingrid Leimbach-Knorr verkörpere. Die Produzentin von „Fack ju Göhte“ hat mich dann eines Tages gefragt, ob ich eine kleine Rolle übernehmen würde. Die Voraussetzung war für mich, dass ich nicht nur zweimal durchs Bild huschen soll, sondern dass die Rolle einen Anfang und ein Ende hat. Sie musste nachvollziehbar sein.

Offensichtlich waren Sie überzeugt.

Ja, wir haben dann noch ein bisschen an der Rolle gefeilt und letztlich habe ich zugesagt. Entscheidend kam hinzu, dass mir der Name Bora Dagtekin in Zusammenhang mit „Türkisch für Anfänger“ zum Zeitpunkt der Anfrage bereits etwas sagte. Als ich den Film zu dieser Serie damals gesehen hatte, wusste ich: Der Mann, der das gemacht hat, bringt einen Humor mit, der so schräg ist, dass man eigentlich schon gar nicht mehr lachen möchte, man aber nicht anders kann.

Hatten Sie mit diesem Erfolg gerechnet?

Vor allem hatte ich niemals erwartet, dass meine kleine Rolle dieser komischen Lehrerin bei den Jugendlichen so gut ankommen würde. Meine Erwartung war eher, dass sie mit Ingrid Leimbach-Knorr nichts anfangen könnten … bis ich dann feststellte: die mögen mich.

Warum waren Sie zuvor so skeptisch? Schließlich konnten Sie bereits auf viele erfolgreiche Filme zurückblicken.

Vermutlich ist das auf meine Erfahrungen mit brotzeit e.V. – ein Verein, den ich mit meinem Mann gegründet habe – zurückzuführen. Ein Schwerpunkt unserer gemeinnützigen Arbeit ist es, an Brennpunkt-Schulen ein tägliches Frühstück herzurichten. Als ich mit brotzeit e.V. anfing und Schulen besuchte, habe ich gemerkt, dass es den Kindern völlig egal war, wer diese fremde Frau ist. Ihnen war das Frühstück und die Menschen, die es aufbauten – verständlicherweise – wichtiger als ich. Seit „Fack ju Göhte“ ist das anders. Heute machen die Kinder große Augen, wenn Ingrid Leimbach-Knorr den Raum betritt.

Uschi Glas zur Bundestagswahl: „Probleme, die vor der Tür stehen, müssen angegangen werden“

Erstaunte Blicke gab es auch kürzlich nach dem zweiten Triell, als Sie im Anschluss auf der CDU-Party bei den „Armin Laschet wird Kanzler“-Sprechchören einstimmten. Sind Sie nach der Wahl weiterhin der Meinung, dass Laschet Kanzler werden sollte?

Wie viele andere Menschen auch befinde ich mich in einer gewissen Unruhe, wie es weitergeht. Ich kann dazu leider nicht viel sagen, da man nicht weiß, wohin die Reise gehen wird. Klar scheint, dass wohl mit drei Parteien gearbeitet werden muss. Eine Wahl ist eine Wahl. Es ist wichtig, dass man sich schnellstmöglich zusammenfindet und wieder handlungsfähig wird. Die Probleme, die vor der Tür stehen, müssen angegangen werden. Es kann nicht sein, dass der eine den anderen in die Pfanne haut. So etwas kommt nicht gut an.

Sie sprachen kürzlich in einem Interview über die Diskriminierung von älteren Frauen, bezogen das vor allem auf die Filmbranche. Beobachten Sie das auch in anderen Bereichen?

Ich habe das in erster Linie auf unseren Beruf bezogen. Männern wird häufig attestiert, dass sie im Alter besser aussehen als früher. Wenn jedoch Frauen Falten oder graue Haare bekommen, wird häufig abwertend geurteilt. Graue Schläfen bei Männern werden hingegen als etwas Tolles empfunden. Aus meiner Sicht wird heute noch ein Unterschied gemacht – und darauf wollte ich hinweisen. Mir geht es grundsätzlich zu sehr um das Äußere anstatt um den Menschen und dessen Charakter.

Ist das ein deutsches Problem? Werden große Schauspielerinnen, etwa Meryl Streep, in den USA weniger auf ihr Äußeres reduziert?

Das glaube ich nicht. Meryl Streep ist eine großartige Frau, die ich schon lange beobachte und bewundere. Ähnlich geht es mir, wenn ich zum Beispiel Jane Fonda sehe. Doch auch in Amerika gibt es viele Frauen, die im Schatten dieser Ausnahmeschauspielerinnen stehen und anders beurteilt werden.

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