Hans Meiser: Was macht der TV-Pionier seit seinem Rückzug aus dem Rampenlicht?

  • Mit seiner Talkshow war Hans Meiser früher fast täglich im Fernsehen zu sehen.
  • Inzwischen ist er weitgehend aus dem Rampenlicht verschwunden.
  • Das sein Ruf in der Öffentlichkeit seit 2017 geschädigt ist, dürfte seinen Teil dazu beigetragen haben.

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Zu Fuß sind es nur ein paar Minuten bis zum Strand, bei schönem Wetter frühstückt er auf der Terrasse und genießt die gute Luft: Hans Meiser wohnt jetzt da, wo andere Urlaub machen. Vor ein paar Jahren ist der Moderator vom Rheinland an die Ostsee gezogen. Mit seiner dritten Ehefrau – „sie kommt ja hierher“ – hat er ein Haus in Scharbeutz (Schleswig-Holstein) gebaut.

„Ich fühle mich hier inzwischen pudelwohl“, sagte Meiser der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Manchmal beneide ich mich selbst.“ Auch seinen 75. Geburtstag am 20. August will das TV-Urgestein („Notruf“) in seinem neuen Zuhause feiern – im Familienkreis.

Meiser gilt als Erfinder der täglichen TV-Talkshow in Deutschland. In den 1990er Jahren war er mit der nach ihm benannte Sendung an jedem Werktag bei RTL zu sehen und erreichte teilweise Zuschauerquoten von bis zu 40 Prozent Marktanteil.

Die Gäste waren „Menschen wie du und ich“, die von ihren Problemen oder Erlebnissen berichteten. Erfolgreich war auch die von Meiser präsentierte Reality-Serie „Notruf“, bei der Notfälle und Rettungsaktionen nachgestellt wurden. Er moderierte Quizshows und interviewte Kanzlerkandidaten.

Meiser ist aus dem großen Rampenlicht verschwunden

Heute lässt Meiser es ruhiger angehen. Das Leben in einer Ferienregion sei generell nichts Neues für ihn, sagt er. Schließlich habe er „ja auch lange in Spanien gelebt.“ Von der Costa Blanca sei er Touristenmassen gewohnt und fühle sich damit wohl. Wenn er selbst Urlaub macht, fährt er am liebsten mit dem Wohnmobil los.

Seine Verbindungen ins Rheinland sind immer noch eng. In Bad Münstereifel, seinem vorherigen Wohnort, leben Töchter und Enkel. Der Ort mit der vormals malerischen Altstadt im Kreis Euskirchen ist von der Flutkatastrophe im Juli schwer getroffen worden. „Es ist unglaublich, alles kaputt“, sagt Meiser. „Wenn man das kennt, wie es vorher war – wirklich furchtbar.“

Ganz von der Arbeit lassen will er auch im gesetzteren Alter nicht. Vor kurzem zum Beispiel habe er im Kommunalwahlkampf in einer Nachbargemeinde einen der Bürgermeisterkandidaten gecoacht: „Und zwar mit Erfolg – er hat gewonnen“, erzählt Meiser. Außerdem gehört er schon seit Jahren zum Team von Frank Laufenbergs Internet-Radio „PopStop“.

Im Fernsehen ist Meiser kaum noch zu sehen – obwohl es „immer mal wieder Anfragen gibt“, wie er versichert. Aus dem großen Rampenlicht ist er aber verschwunden, nachdem sein Haussender RTL, bei dem er seit dessen Geburtsstunde 1984 (zunächst RTL plus) beschäftigt war, seine Verträge 2010 nicht verlängert hatte.

Arbeit für umstrittenes Online-Portal sorgt für Skandal

Dass Meiser trotz der Anfragen nicht mehr groß in der Öffentlichkeit steht, dürfte zum Teil auch daran liegen, dass sein Ansehen seit 2017 merklich angeknackst ist. Damals gerät der Moderator in die Kritik, weil er mit einem umstrittenen Online-Portal zusammenarbeitet, auf dem Verschwörungstheorien, sowie Antisemitismus verbreitet werden.

Der Großteil der Menschen sei „von den Massenmedien hypnotisierte und paralysierte Zombies geworden“, heißt es damals beispielsweise in einem auf der Webseite veröffentlichten Artikel. Für das Portal spricht Meiser Videos mit Titeln wie „11 Gründe für Deutschlands baldigen Untergang“ oder „So verhindert die Weißkittelmafia die Krebsheilung!“ ein. Nur einige wenige davon werden komplett von ihm vertont, bei dem Rest fungiert er als eine Art Ansager, bevor eine andere Stimme übernimmt. Zudem schreibt er mehrere Beiträge für die Webseite, die seinen Namen auch prominent zur Eigenwerbung nutzt.

Als Meisers Arbeit für das Portal öffentlich wird, hat das für ihn sehr konkrete Folgen: Er fliegt aus Jan Böhmermanns Sendung „Neo Magazin Royale“ (ZDF/ZDFneo) wo er zeitweise als Bundespräsident „Hans-Meiser Steinmeiser“ zu sehen gewesen war.

Auch die Figur des „kleinen Mannes“, die unter anderem das Verhalten von Pegida-Anhängern und Verschwörungstheoretikern persiflierte, spielte er dort und sagt Sätze wie: „Diese verdammte Lügenpresse braucht kein Mensch mehr. Ich hab das Internet.“

Der kleine Mann ganz groß | NEO MAGAZIN ROYALE mit Jan Böhmermann – ZDFneo

Viele Beobachter kritisieren, dass Meiser in der Böhmermann-Sendung Populisten aufs Korn nimmt, gleichzeitig aber offensichtlich kein Problem damit hat, für ein Angst schürendes Portal Werbung zu machen.

In einem Interview mit dem „Focus“ verteidigt sich Meiser 2017. Er sei kein Verschwörungstheoretiker. Auch vier Jahre später weist er die Kritik von sich. „Ich ein Rechtspopulist – das ist einfach Schwachsinn“, sagt Meiser der dpa. „Ich habe in meinem ganzen Leben nie etwas veröffentlicht, was angreifbar war.“

Meiser sieht „Politiker-Bashing“ im TV kritisch

Ob Meiser jemals wieder prominent im TV zu sehen sein wird, bleibt abzuwarten. Von den meisten Talkshows, die heutzutage über den Bildschirm flimmern, hält der Fernseh-Pionier allerdings sowieso nicht viel.

In den meisten gehe es seiner Ansicht nach zu ruppig zu. „Dieses ständige Politiker-Bashing regt mich wirklich auf.“ Oft würden Moderatoren ihre Gäste unterbrechen und verbal angreifen – das sei unhöflich gegenüber den Teilnehmern und diene weder den Zuschauern noch der Sendung.

„Wenn ich Gast in einer Talkshow wäre und man würde mir dauernd so in die Parade fahren, dann würde ich irgendwann aufstehen und gehen.“ Die Rückkehr zum „Neo Magazin Royale“ stünde ihm aber trotz des Skandals von 2017 und seinem Rauswurf zumindest theoretisch noch offen.

„Sobald Hans Meister herausgefunden hat, wer wirklich hinter dem 11. September steckt, ob die Erde hohl ist und die Amerikaner tatsächlich auf dem Mond gelandet sind oder wenn Michael Mittermeier, der Bürgermeister von Mannheim und Xavier Naidoo öffentlich ein gutes Wort für ihn einlegen, darf er gerne wiederkommen“, schrieb die für die Show zuständige Produktionsfirma damals auf Facebook. (thp/dpa)

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