Sie sind auf dem neuem "Charlie Hebdo"-Cover zu sehen

Das neuste Cover des Satiremagazins "Charlie Hebdo" sorgt für Entsetzen, Aufregung und Kopfschütteln. Es veranschaulicht nicht nur auf absurde und makabere Weise den Kampf zwischen Herzogin Meghan, 39, und der britischen Monarchie – dargestellt durch eine diabolische Queen Elizabeth, 94 –, sondern bedient sich gleich eines weiteren geschichtsträchtiger Momentes: Der Ermordung des Afroamerikaners George Floyd am 25. Mai 2020. Ein Shitstorm mit Ansage.

“Charlie Hebdo”-Cover zeigt die Queen kniend auf Herzogin Meghans Nacken

Satire darf bekanntlich alles, weil es ihr Ziel ist, Missstände aufzuzeigen, unbequeme Wahrheiten anzusprechen, für ein Umdenken zu sorgen und den Mächtigen dieser Welt ihre aus den Augen verlorenen Grenzen aufzuzeigen.

Aber all das macht "Charlie Hebdo" nicht mit diesem Cover, das Meghan in der grausamen Lage zeigt, in der George Floyd vor fast einem Jahr den Tod fand. Zu sehen ist eine diabolisch grinsende Queen Elizabeth, deren linkes Knie auf den Hals der am Boden liegenden Herzogin gedrückt ist. Daneben prangt der Satz: "Warum Meghan den Buckingham Palast verlassen hat." Als Antwort steht in einer Sprachblase neben der Karikatur Meghans: "Weil ich nicht mehr atmen kann."

Der geschmacklose Vergleich fordert nicht dazu heraus, sich mit Rassismus auseinanderzusetzen, er marginalisiert das Thema.Herzogin Meghan gab im Interview mit Oprah an, vom Palast vermeintlich mundtot gemacht worden zu sein. George Floyd starb de facto nach quälenden acht Minuten Todeskampf, ermordet durch einen Polizisten, unser aller "Freund und Helfer."

Es gibt auch Befürworter des Covers

Das Ziel der Kritik sei ganz klar das britische Königshaus und nicht Meghan oder George Floyd, wird die Karikatur im Netz verteidigt. Das mag auch stimmen. Immerhin zeigt das Cover eine Queen mit blutroten Augen und diabolischem Grinsen, während sie Meghan mit purer Absicht die Luft zum Atmen – sprich zur freien Entfaltung – nimmt. Diese Kritik an der britischen Krone wird am Ende des Tages aber sehr wohl auf Kosten eines aus rassistischen Beweggründen ermordeten Menschen ausgetragen. Also jener Person, die gar nicht erst auf dem Cover zu sehen ist. 

Das Bild ist ein haarsträubender Vergleich. Unter dem Deckmantel der Satire, diesem vermeintlichen Freifahrtschein für einfach alles, soll möglichst reißerisch die Auflagenzahl gesteigert werden. Dafür wird das grausame Schicksal eines Mordopfers instrumentalisiert.

Charlie Hebdo sorgt immer wieder bewusst für Aufsehen

Wie mächtig eine einzelne Karikatur sein kann, wurde am 7. Januar 2015 auf tragische Weise deutlich gemacht. Islamistische Terroristen stürmten damals die Redaktion von "Charlie Hebdo" in Paris und erschossen insgesamt zwölf Menschen. Warum? Weil das Magazin eine Karikatur des Propheten Mohammed abgedruckt hatte.

Unter dem Begriff "Je suis Charlie" ["Ich bin Charlie"] solidarisierten sich daraufhin weltweit Millionen Menschen mit den Opfern des Anschlags. Die überlebenden Mitarbeiter versprachen derweil, im Andenken ihrer toten Kollegen, sich auch zukünftig nicht von dem feigen Attentat zum Schweigen bringen zu lassen.

In der Zwischenzeit sorgte "Charlie Hebdo" immer wieder mit teils derben Covern für Aufsehen. So auch jetzt. Herzogin Meghan und erst recht Queen Elizabeth können sich dagegen wehren, sich darüber echauffieren. George Floyd nicht mehr. Und das macht die Karikatur nicht satirisch, es macht sie erbärmlich. Je ne suis pas Charlie. Nicht heute.

Dieser Kommentar wurde verfasst von SpotON-News und ist lediglich redaktionell eingebunden.

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