Biografie “Harriet”: In der Hölle der Südstaaten

"Harriet" handelt von einer Frau, die Sklaven zur Flucht verhalf. Der Film kommt genau zur richtigen Zeit ins Kino, ist aber nicht allzu gut.

Fast 700 Filme kamen 2019 ins Kino. Keine einfache Aufgabe für einen Verleiher, aus der Masse herauszustechen und dabei den richtigen Starttermin für seinen Film zu finden. Die Corona-Krise hat die schwierige Terminierung nun zu einem Geduldsspiel gemacht. Mit möglicherweise positiven Folgen für "Harriet – Der Weg in die Freiheit". Die Filmbiografie über die in den USA bekannte afroamerikanische Fluchthelferin sollte am 9. April in die deutschen Kinos kommen, drei Monate später ist die "Black Lives Matter"-Bewegung nach dem Tod von George Floyd zu neuem globalen Leben erwacht.

Und auch "Harriet" wirkt beim Neustart nach der Kinoschließung mit seiner sozialkritischen Botschaft relevanter, wichtiger. Regisseurin Kasi Lemmons entführt den Zuschauer gleich zu Beginn in die Südstaaten der USA, nach Maryland, ins Jahr 1849. Sklaverei ist hier noch eine Selbstverständlichkeit, Afroamerikaner werden zu knüppelharter Feldarbeit gezwungen, als Leibeigene angesehen. Araminta "Minty" Ross (Cynthia Erivo) hat genug von dem Leben in Unfreiheit, in der willkürlich Familien auseinandergerissen werden.

Wegen Familie: Protagonistin will zurück in den Süden

Nachdem ihr Gesuch auf eine Hochzeit mit dem in Freiheit lebenden John Tubman (Zackary Momoh) abgelehnt wird, wagt sie die Flucht. Dramatisch inszeniert Lemmons diesen Ausbruch, mit dem Sprung von Minty, die von Sklavenhaltern unbarmherzig wie ein wildes Tier gejagt wird, in einen reißenden Fluss als Höhepunkt. Wenig später wissen wir, dass sie die 100 Meilen weite Hatz überlebt, im Norden im freien Staat Pennsylvania Anschluss findet und von William Still (Leslie Odom Jr.), Anführer der Anti-Sklaverei-Bewegung "Underground Railroad", den Namen Harriet erhält.

Doch die von der oscar-nominierten Britin Cynthia Erivo überzeugend verkörperte Frau mit dem glühend entschlossenen Blick will zurück in den Süden, in die Hölle der weißen Vorherrschaft, um ihren Mann, ihre Familie zu retten. Verbürgt sind diese unglaublichen Missionen, 13 waren es, mit am Ende 70 von Harriet befreiten Sklaven. Eine heroische Geschichte voller Sprengkraft, die bis heute fürs Kino noch nicht erzählt wurde. Leider vertraut Lemmons der Dramatik dieses Stoffes nicht, muss fast jede Szene mit pathetischer Musik überzuckert und Harriets an Jeanne d’Arc erinnernde Visionen in Schwarz-Weiß-Bildern überhöht werden.

So bleibt Harriet zwar eine spannende Figur, eine feministische Vorreiterin, die mit ihrem Kampf gegen Sklaverei und männliche Unterdrückung bis heute, in einem zerrissenen Amerika, Vorbildcharakter hat. Doch wie ein Mensch aus Fleisch und Blut wirkt sie in dieser comichaften Superwoman-Stilisierung leider nicht.

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