"Late Night Berlin": Auf der Demo nichts Neues

In der ersten Show nach der Sommerpause schickt “Late Night Berlin” Bodybuilder auf eine Corona-Demo. Das ist unspektakulärer, als es klingt.

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Mit dem Handy im Anschlag stürmt Klaas Heufer-Umlauf auf die Bühne seiner Late-Night-Show. Er berlinert und sagt Sätze wie “Die Wahrheit bleibt wieder auf der Strecke”, er schimpft auf die “Mainstream-Medien”. Es ist schnell klar, worum es geht: Verschwörungstheoretiker, eines der beherrschenden Themen der letzten Wochen.

Keine Zeitung, kein Nachrichtenformat, keine Talkshow, die sich nicht den Protesten gegen die Corona-Maßnahmen widmete und kaum ein journalistisches Format, das nicht seine Reporter auf die letzte Demo in Berlin schickte. Jetzt also auch “Late Night Berlin”.

Bodybuilder sollen zu Journalisten werden

Es ist die erste Sendung nach der Sommerpause, endlich gibt es wieder ein Studiopublikum, Freude und Nervosität halten sich die Waage, 70 Personen sitzen auf Abstand im Studio. “Wir müssen uns erst wieder annähern”, sagt Heufer-Umlauf.

Gelingen soll das mit dem ersten Einspieler, die Show will sich den Journalisten annehmen, die bei den Corona-Protesten immer häufiger das Ziel von Angriffen sind. Die Lösung: Die Show bildet Bodybuilder zu Journalisten aus. In einem zweistündigen Crashkurs lernen sie unter anderem, dass Claus Kleber zwar ein großes Gehirn hat, aber viel zu dünne Oberarme.

Das ist eigentlich eine Steilvorlage, doch irgendwie ist das Ergebnis ernüchternd, weil die Demonstranten ruhig bleiben. Eine ältere Dame zum Beispiel plaudert munter über ihre Freizeit, ein Mann antwortet auf die wenig einfallsreiche Frage: “Was steht auf ihrem Schild?” gelassen. Die Bodybuilder gehen daraufhin dazu über, Gaga-Fragen zu stellen wie: “Wie definieren Sie Ihren Bizeps?” Laut Heufer-Umlauf der Versuch zu zeigen, dass sowieso egal ist, welche Fragen gestellt werden.

Der Beitrag zeigt aber eigentlich nur, dass sich nach dem Spiegel-TV-Video “Der Corona-Soundtrack” das Worst-of der Demos einfach nicht mehr steigern lässt. “Ganz starke Arbeit”, kommentiert Sidekick Jakob Lundt nichtsdestotrotz den Außeneinsatz abschließend. Wohl eher: Manchmal ist die Wirklichkeit so bizarr, dass Komik das nicht mehr steigern kann.

Statt Matthias Schweighöfer kommt Joko Winterscheidt

Vielleicht kann es aber zumindest der Gast der ersten Show nach der Sommerpause herausreißen. Matthias Schweighöfer ist angekündigt, kommt dann aber doch nicht. Zumindest persönlich. Bei seiner aktuellen Produktion gab es einige Coronafälle, stattdessen läuft ein vermummter Komparse mit einem Tablet vor dem Gesicht herein. Darauf der Live-Stream zu Schweighöfer, der dabei kichert, als sei er der einzige, der in den vergangenen Monaten kein Videotelefonat geführt hat.

Folgerichtig würgt ihn Klaas Heufer-Umlauf bereits nach wenigen Minuten ab, um den Menschen hinter dem Tablet zu enthüllen. Es ist – Joko Winterscheidt. Was in einer Show von einem der beiden in etwa so überraschend ist wie Bier im Biergarten. Gute Gelegenheit, die nächste Runde von “Joko und Klaas gegen ProSieben”, die am Folgetag startet, ausgiebig zu bewerben, unterbrochen nur durch den Auftritt von Capital Bra samt Clueso und einem XXL-Werbespot zum neuen Album von Matthias Schweighöfer. Weswegen er wohl eigentlich eingeladen war.

Die beiden wären aber nicht Joko und Klaas, wenn “Late Night Berlin” nicht noch eine fiese Überraschung parat hätte: Winterscheidt wird an den Lügendetektor angeschlossen. Warum weiß keiner, die Sendezeit muss schließlich gefüllt werden. Wir lernen: Joko bereut das Ende von “Circus Halligalli”, er wollte Klaas noch nie in die Fresse hauen, er hat im Suff einen Hubschrauber für einen Junggesellenabschied bestellt und in einer Show wurde er so schlecht behandelt, dass er nie wieder dorthin gehen würde. Welche, verrät er nicht.

Als er dann doch beim Lügen erwischt wird, muss er dem Publikum die letzten YouTube-Videos zeigen, die er sich angesehen hat. Er zählt auf: den neuen Kanal von Kai Pflaume, den Song von Will Ferrells Parodie auf den Eurovision Song Contest, Sido, ein Autotest, die Montage von Dachgepäckträgern. Heufer-Umlauf hastet weiter. Keine erhofften peinlichen Entdeckungen.

Irgendwann endet auch dieses Spiel und der Moderator verabschiedet sich mit: “Meine Damen und Herren, das war ja wohl ein würdiger Ersatz.” So ganz überzeugt klingt er davon selbst nicht. Nach der ersten Show der neuen Saison ist auf jeden Fall klar: Es gibt noch jede Menge Luft nach oben.

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