Wolfgang Joop: "Mein Vater schlug mich, bis der Stock zerbrach"

Joop zu Gast bei Lanz: Der Designer spricht über das Alter und die Rückkehr seines Vaters aus der Kriegsgefangenschaft. Ein berührender Moment, doch im Netz: Spott und Häme über das Aussehen des 75-Jährigen.

Seiner Jugend, so Joop, der sich einst “als schüchterner Junge mit viel zu großen Ohren beschrieb”, trauere er nicht hinterher. Ganz anders Markus Lanz, der mit dem 75-Jährigen an diesem Abend nicht nur über das Alter spricht. Für den Moderator sei die Jugend “ein schmerzhafter Abschied”.

“Die einzig mögliche Zeit” – Erinnerungen an den Vater

Anlass des Besuches eines “der erfolgreichsten Modemacher der Welt” ist vor allem sein autobiografisches Buch: “Die einzig mögliche Zeit”. Es umfasst fast 500 Seiten. Joop, der eigentlich “Zeichner ist”, hatte das Manuskript tatsächlich mit der Hand geschrieben, um es zu fühlen, um seine Kindheit wieder zu fühlen und die Erinnerungen an seinen Vater, der aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Hause zurückkehrte, als Joop acht Jahre alt gewesen war.

Lanz erwähnt den Besuch von Atze Schröder wenige Tage zuvor, der wegen seiner Erinnerungen und der Rolle seines Vaters während des Krieges in der Sendung in Tränen ausgebrochen war und sich bei einer Holocaust-Überlebenden entschuldigt hatte. 

Auch Joops Vater sorgte nach seiner Rückkehr für große emotionale Verwirrung. Mit seinem Schicksal gehadert habe er: “Er fühlte sich gedemütigt und entwürdigt”. “Sieben Jahre in Buchenwald und Sachsenhausen” zu verbringen: Das mache was mit einem. Erst sei der Vater in amerikanischer Gefangenschaft gewesen, dann als Spion in russischer. Dabei sei er “Theaterkritiker” und nicht Journalist gewesen. Hinzu kam, dass aus der Gefangenschaft zurückgekehrte Männer “nicht die gleiche Frau” vorfanden, die sie verlassen hatten.

Verprügelt, bis der Stock zerbrach

Ob auch Gewalt eine Rolle spielte, will Lanz wissen. Joop erzählt, wie der Vater “kahl geschoren” und “eingefallen wie ein Geist mit hungrigen Augen und tiefen Augenhöhlen” seinen Sohn “über den Klavierhocker gelegt” und ihn so lange verprügelt habe, “bis der Gardinenstock zerbrach”. Das Kind war die “Autorität dieses Mannes nicht gewohnt”. Anschließend sei der Heimkehrer in Tränen ausgebrochen und habe seinen Sohn gefragt, ob er wieder gehen solle. Der habe daraufhin nur geantwortet: “Ja”.

Dennoch habe die erfahrene Gewalt nichts mit dem Designer gemacht oder ihn geformt. Das zu behaupten, wäre konstruiert, sagt Joop, der auch erzählt, dass die Vergangenheit seinen Vater nie ganz losgelassen habe. Noch 1984 habe er “mit einem Aktenkoffer in der Hand” seinen Sohn gebeten, einen “Anwalt aufzusuchen, der seinen Fall wieder aufrollt”. “Frieden machen” mit sich und der Vergangenheit: Das habe der Vater nicht gekonnt.

Im Netz hagelte es Spott und Häme

75 Jahre nach Auschwitz berühren den Designer heute vor allem die Geschichten vieler Zeitgenossen, ganz besonders die einer Frau aus Israel, die über das Erlebte nicht sprechen kann und ihre Erinnerungen in ihren Zeichnungen verarbeitet.

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Im Netz kam der Auftritt indes weniger gut an. Vor allem Joops Äußeres gab Anlass zu Spott und Häme, saß doch neben ihm das 12 Jahre ältere, 87-jährige und sehr agil wirkende FDP-Urgestein Gerhard Baum. Ein Twitter-User kommentierte die Frotzeleien: “Es wäre schön, wenn wir Menschen einfach zuhören könnten, statt uns an ihren Äußerlichkeiten aufzuhalten.”

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